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Sonntag, 11. Oktober 2015

Wie man den musikalischen Wert seiner Stereoanlage vervielfacht

Bevor man darüber nachdenkt neue Lautsprecher zu kaufen, oder in einen teuren neuen Verstärker zu investieren, weil man der Meinung ist die Qualität der Wiedergabe der heimischen Stereoanlage sei unzureichend oder nicht befriedigend, sollte man sich neben elektroakustischen Überlegungen vor Augen halten, was das schwächste Glied der Kette darstellt. In den vergangenen Jahrzehnten wurde viel Musik auf Vinyl produziert, danach kam die digitale Revolution in Form von hoch brillanten CDs, welche wiederum von rein digitalen, aber verlustbehafteten Medien wie zum Beispiel MP3 größtenteils ersetzt wurde. Was im ersten Moment damals wie die eierlegende Wollmilchsau erschien, ist jedoch mittlerweile zu einem Geist geworden, den man rief und nun nicht wieder los wird. Die aktuellen Verkaufszahlen belegen, dass gerade einmal noch ca. 10% des klassischen Musikvertriebs aus CDs und physischen Medien besteht. Der Rest ist mit großer Wahrscheinlichkeit ein komprimiertes Datenformat in Form von MP3 oder AAC. Auch die beliebten Streaminganbieter verlassen sich in der Regel auf verlustbehaftete Kompression, weil sie natürlich Bandbreite sparen wollen und bei gleicher technischer Leistung dadurch mehr Kunden beschicken, also mehr Geld verdienen können. Man sollte sich an dieser Stelle also selbst einmal auf die Finger schauen was man klickt, bevor man es hört und die Schuld womöglich dann bei der Stereoanlage sucht. Ein mehrere tausend Euro teures Setup bietet am Schluss nämlich auch nur so viel Qualität, wie die Musik die man darüber abspielt. MP3 und verlustbehaftetes Streaming mag für Küchenradios oder den Ghettoblaster im Park ausreichend sein und hat eine Zeit lang auch seine Berechtigung gehabt, da man auf Grund von Speichermangel gerne mehr als ein oder zwei Alben auf seinem Abspielgerät speichern wollte und es nicht konnte. Die heutigen Kapazitäten von Speichermedien relativieren die Begründung der Datenreduktion jedoch sofort. Mittlerweile sind mehrere Gigabyte in mobilen Geräten und nicht selten mehrere Terabyte in stationären Abspielgeräten Gang und Gäbe und hier noch mit Datenreduktion eine Sammelwut zu rechtfertigen, die dem Verhalten einer Nachkriegsgeneration in Nichts nachsteht, ist fast schon ein wenig größenwahnsinnig und erinnert eher an festgefahrene Verhaltensmuster. Die Begründung man bräuchte unbedingt 10.000 Titel stark komprimierter Musik auf einem mobilen Gerät mit einem Speicherchip der Größe einer 1-Cent-Münze erschließt sich mir nicht. Es wird weder der inspirierenden und emotionalen Qualität der Musiker, noch deren Mühen gerecht, die sie sich bei der harten Erarbeitung ihrer Musik damit gemacht haben. Dabei sind 10.000 Titel bei einer Datengröße von durchschnittlich 3 Megabyte pro Song gerade mal 29,3 Gigabyte groß. Jedes zweite Tablet oder Smartphone oder jedes beliebige andere Smart-Device hat mittlerweile mehr als doppelt so viel Kapazität. Großzügige Cloud-Dienste wachsen wie Pilze aus dem Boden. Notebooks bieten wie selbstverständlich Terabytes zum Mitnehmen. Von klassischen stationären Festplatten und Network Attached Storage im Heimnetzwerk wollen wir noch nicht mal reden. Der Archivierung von 10.000 Titeln in unkomprimierter Form steht also prinzipiell nichts mehr im Wege. Warum machen es dann so wenige? Die meisten verlassen sich dann wohl doch lieber auf Spotify & Co. Doch dass sich im Streamingmarkt in absehbarer Zeit ein HD-Anbieter etabliert, ist nicht in Sicht. Komischerweise ist uns die Größe und Datenrate einer Filmdatei auf einmal egal, sobald wir wissen, dass es sich um HD oder 4K-Material handelt. In Anbetracht der "digitalen Revolution 2.0" sollten wir uns also die Frage stellen, ob es noch zeitgemäß ist, die heimische Musikbibliothek in dieser stark datenreduzierten Fraunhofer-Form zu konservieren. Man muss ja nicht gleich die hoch aufgelöste Studio-Masterversion in 24Bit/192kHz all seiner Titel kaufen, aber ein wenig mehr CD-Qualität - auch ohne physisches Medium - kann unseren Ohren wohl kaum schaden. Noch dazu, oder vielleicht auch gerade deshalb, weil es näher an dem ist, was sich der Musiker einst mal im Studio dabei gedacht hat.

Eine interessante und kurzweilige Dokumentation dazu gibt es auf - dem ebenfalls oft datenreduzierten Portal - youtube.com unter dem Titel "The Distortion of Sound".


Sonntag, 12. September 2010

Nehmt bitte mit diesem Mann ein Album auf - sofort!

Ein frischer Geheimtipp dieses mal aus unserem Nachbarland Polen. Ein wirklicher Top-Techniker auf seinem Instrument mit trotz alle dem lyrischer, luftiger Spielweise - Adam Repucha.

Zugegeben, ich verstehe seine Texte nur zum Teil bzw. kaum. Aber was viel wichtiger ist - die Emotion kommt trotzdem an. Es berührt. Für mich immer ein sicheres Zeichen für einen herausragenden Künstler auch mit langfristigen Erfolgschancen. Deswegen lasst euch von ihm kurz eine Geschichte erzählen, auch wenn ihr vielleicht nicht versteht worum es darin geht.

Donnerstag, 19. August 2010

Sieben Alben zum Preis von keinem.
Download-Empfehlung - General Fuzz Review

Heute hab ich für Fans des ausgewogenen und harmonisch-elektronischen Musikgeschmacks einen besonders empfehlenswerten Download-Tipp. Schon recht alt, aber immer wieder schön. Eine komplette Diskographie des Komponisten und Klangästheten mit dem Künstlernamen General Fuzz. Er bietet all seine Alben auf seiner Homepage kostenlos an. Ja, ihr habt richtig gelesen.

Man könnte meinen, ja wieder so ein halbherziger Elektrokünstler dessen Tracks noch nicht mal gut genug sind für 0,39€ im iTunes-Store auf einer B-Compilation zu landen und der eigentlich hauptberuflich Versicherungen verkauft.

Doch weit gefehlt. Sehr weit.

Sonntag, 25. Oktober 2009

Düsseldorfer Ausnahmetalent mit überzeugendem Debüt
Julian Kantus - Etwas Meer EP - Review

Die Ungewissheit abschütteln, endlich kein Trübsal mehr blasen müssen, sich an den kleinen Dingen im Leben erfreuen und das Glück das wir bereits haben neu entdecken und wieder genießen können. Das sind die Kernthemen mit denen sich der Düsseldorfer Newcomer Julian Kantus in seiner Debüt Single "Etwas Meer" beschäftigt. Dabei ist es nicht verwunderlich, dass man bereits nach erstem Hören der Songs den ganzen Tag mit einem Lächeln auf den Lippen umher läuft. Fröhliche und Mut machende Texte mit teils wunderschön melancholischen Melodien lassen uns in eine mit Endorphinen überladene Welt eintauchen und wie nach einer Überdosis Schokoladeneis mit Schlagsahne fast schon naiv an unsere vergangenen Tage, Träume und Ziele erinnern. Dabei spielt Julians außergewöhnlich zart-schmelzende Stimme eine nicht unerhebliche Rolle.